Erzeugung

Saubere Energie im Fluss

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Es liegt idyllisch im Grünen und es liefert seit vielen Jahrzehnten zuverlässig grüne Energie: Das Wasserkraftwerk Cramberg. Nach einer technischen Verjüngungskur wird es bald leistungsfähiger sein als jemals zuvor.

61.200 Liter in einer Sekunde, mehr als 3,6 Millionen in einer Minute: Es sind gewaltige Mengen, die das Wasserkraftwerk hier in Cramberg an der Lahn bewältigen kann. Dominik Kauss steht über diesen Wassermassen, nicht nur im übertragenen Sinn: Der Betriebsleiter hat gerade das große Hallentor des bald 100 Jahre alten Kraftwerksbaus geöffnet und blickt nun in der Maschinenhalle auf die drei ebenso alten Generatoren. „Die Maschinen nähern sich dem Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer“, sagt er. „Es wird Zeit für etwas Neues.“

Als Betriebsleiter dieses und der sieben weiteren Süwag-Wasserkraftwerke an der Lahn ist Kauss für diese Erneuerung zuständig. „Das Projekt unterscheidet sich von allen bisherigen, weil wir zum ersten Mal vollständig neue Maschinen einsetzen“, sagt er. Die drei sogenannten Francisturbinen werden durch zwei Kaplanturbinen ersetzt. „Sie können – anders als bei der Francisturbine – ihre Schaufeln verstellen und so aus der dargebotenen Wassermenge mehr Energie rausholen“, erklärt Dominik Kauss. Bei gleicher Wassermenge sollen so zukünftig 22 Prozent mehr Strom erzeugt werden als bisher.

Dieser Sprung ist umso bemerkenswerter, als Wasserkraftwerke ohnehin schon sehr effizient sind. Ihre Turbinen haben einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.

Die Süwag besitzt und betreibt insgesamt 16 Laufwasserkraftwerke an Lahn, Wied, Neckar, Elsenz, Kinzig, Rench und Maisach. Sie alle nutzen, daher der Name, das fließende Flusswasser, um Energie zu gewinnen. Gemeinsam erzeugen sie rund 76 Millionen Kilowattstunden CO2-freien Strom im Jahr – rechnerisch genug für etwa 22.000 Haushalte.

Wie gut ist die Süwag auf der Erzeugungsseite für die Energiewende aufgestellt?

O-Ton Mike Schuler

Die neuen Maschinen werden maßangefertigt.

Das Kraftwerk Cramberg liegt idyllisch am Südende eines von der Lahn um den Ort geformten Bogens. Es trägt maßgeblich zum Wasserstromaufkommen der Süwag bei: Mit bisher rund 12 Millionen Kilowattstunden jährlich ist es das größte Wasserkraftwerk an der Lahn. Entsprechenden Wert legt Dominik Kauss darauf, dass die bis 2023 laufende Modernisierung reibungslos klappt. Er koordiniert die Abstimmung zwischen allen Projektbeteiligten, trifft diese regelmäßig zu Besprechungen am Wasserkraftwerk – und fiebert jetzt schon dem Einbau der neuen Herzstücke Ende 2022 entgegen: „Die neuen Maschinen werden maßangefertigt und müssen natürlich exakt hineinpassen.“

Er hat inzwischen die Maschinenhalle verlassen und die Treppen ins zweite Obergeschoss erklommen. Menschen arbeiten im WKW Cramberg seit den 1970er Jahren im Schichtbetrieb nicht mehr. Nur einmal täglich kommt ein Mitarbeiter vorbei, um die Maschinen zu kontrollieren, Ölstände zu messen und bei Bedarf die Rechen zu reinigen.

Stattdessen lagern im obersten Stockwerk nun Akten und Dokumente zu den Wasserkraftwerken der Süwag. Die Dokumentation wird in den nächsten Jahren noch anwachsen: In den vergangenen zehn Jahren hat der Versorger bereits sieben seiner Kraftwerke modernisiert, weitere werden folgen. Neue Wasserkraftwerke erwartet Kauss in seinem Verantwortungsbereich hingegen nicht: „Das Potenzial für zusätzliche Wasserkraftwerke ist in Deutschland so gut wie ausgeschöpft“, sagt er. „Aber durch die Modernisierung bestehender Anlagen lässt sich noch viel herausholen.“

Fotos: SeitenPlan/Sascha Kreklau, Video: SeitenPlan/Sascha Kreklau