Stromeinspeisung

Solar-Boom im Netz

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Auf den Dächern im schwäbischen Mundelsheim kommt die Energiewende wie im ganzen Südwesten Deutschlands mit Riesenschritten voran. Immer mehr Hausbesitzer werden zu Solarstrom-Erzeugern – eine Herausforderung für die Syna, die der Antragsflut mit intelligenten digitalen Lösungen begegnet.

Wenn Hartmut Gruber nach Mundelsheim kommt, interessieren ihn dort weniger die hübschen Fachwerkfassaden oder der Blick auf die malerische Neckarschlaufe im Westen des Ortes. Sein Blick geht eher in die Höhe, zu den Dächern in den Wohnvierteln. „Auf denen liegen von Jahr zu Jahr mehr Photovoltaikanlagen“, weiß Gruber, der sich bei der Syna gemeinsam mit mehreren Kollegen um neue Einspeiseanlagen kümmert. „Der Zuwachs an installierter Leistung ist gewaltig.“

Ein Phänomen, das er nicht nur in Mundelsheim, 20 km südlich von Heilbronn, beobachtet. „Im ganzen Südwesten erleben wir einen regelrechten Solar-Boom“, so Gruber. „Man muss sich nur die blanken Zahlen ansehen: 2018 haben wir rund 1.370 Anlagen ans Netz genommen. 2020 waren es dagegen mehr als 3.180 und der Trend hat sich 2021 ungebremst fortgesetzt.“

Wir wurden von Kundenanfragen regelrecht überrollt.

Was gut ist fürs Klima, stellt für die Syna eine echte Herausforderung dar: „Wir wurden in den letzten beiden Jahren von Kundenanfragen regelrecht überrollt“, berichtet Thomas Scheffler, Leiter Einspeiserabwicklung Technik bei der Süwag-Tochter. Sein Team kam zunächst kaum hinterher, manche Kunden mussten länger als eigentlich üblich auf das grüne Licht für den Netzanschluss warten. „Das hat natürlich zu Unzufriedenheit geführt. Zu Recht, denn natürlich soll niemand mehrere Wochen oder gar Monate darauf warten müssen, seine Solaranlage nutzen zu können.“

Aber bevor eine neue Anlage in Betrieb geht, muss nun einmal in jedem Einzelfall geprüft werden, ob der Netzanschluss des Kunden und auch das nachgelagerte Netz dafür ausgelegt sind. „Schließlich müssen wir als Netzbetreiber gewährleisten, dass das Stromnetz die Einspeiseleistung auch aufnehmen kann und keine unerwünschten Netzrückwirkungen auftreten“, sagt Hartmut Gruber. „Meist ist das der Fall. Aber wenn der Anschluss oder das Netz das mal nicht hergeben, ist zunächst ein Ausbau nötig, bevor wir eine endgültige Einspeisezusage geben können.“

Um der Antragsflut Herr zu werden, wurde die Abteilung 2020 und 2021 um mehrere Kolleginnen und Kollegen verstärkt. Zudem ließ sich das Team von einem externen Dienstleister unterstützen, um die Rückstände zügig abzubauen. Und 2022 will man das interne Personal noch einmal aufstocken. „Denn wir erwarten beim Thema Photovoltaik keinen Rückgang der Neuanmeldungen“, so Thomas Scheffler, „eher im Gegenteil.“

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Trotz weit geringerer Einspeisevergütungen als in der Vergangenheit liegt die Solarstromerzeugung auf dem eigenen Dach voll im Trend, besonders im sonnenverwöhnten Südwesten Deutschlands. Heute nutzen die Anlagenbesitzer die grüne Energie vor allem für den Eigenbedarf. Und weil Erzeugung und Verbrauch zeitlich nicht immer im Einklang miteinander sind, „schaffen die meisten Hausbesitzer heute gleich auch noch einen Batteriespeicher an, um ihren Strom zeitversetzt nutzen zu können“, so Thomas Scheffler. „Technisch ist das für uns im Grunde eine zweite Neuanlage beim Kunden, die wir ebenfalls prüfen und bewerten müssen.“ Was wiederum Aufwand bedeutet.

Unterm Strich bedeutet all dies: Es gibt auch künftig jede Menge zu tun. „Insbesondere aktuelle und kommende politische Entscheidungen zum Erreichen der Klimaschutzziele werden voraussichtlich den Solar-Boom noch verstärken“, sagt Scheffler. Mehr Personal ist da nur ein Teil der Lösung: „Uns war klar: Wir müssen das Thema voll digitalisieren.“

Mit Hochdruck arbeitet die Syna daher zurzeit an einem Online-Portal für die Anmeldung von vorerst kleineren Neuanlagen, das noch 2022 freigeschaltet werden soll. Die Installateure reichen die benötigten Unterlagen dann nicht mehr auf Papier oder per E-Mail ein, sondern direkt über das Portal. In den allermeisten Fällen muss dann kein Kollege mehr Hand anlegen: Das System prüft automatisch, ob alle Angaben vollständig sind und die technischen Gegebenheiten vor Ort passen. In diesem Fall kann dem Kunden dann in kürzester Zeit die Zusage erteilt werden. Nach dem Bau der Anlagen reicht der Installateur auch die Fertigstellungsmeldung über das Partnerportal für Installateure ein und die Zählerinstallation wird angestoßen.

„Unser Ziel ist es, dass nach dem Start des Portals bei Standardfällen von der Anmeldung der Anlage bis zum Zählerwechsel nicht mehr als vier Wochen vergehen“, sagt Thomas Scheffler. „Mittelfristig streben wir sogar einen Zeitraum von nur zwei Wochen an.“

Anders sieht es natürlich bei großen Solar- oder Windparks aus. „Das sind sehr individuelle Projekte“, weiß Hartmut Gruber. „Da gibt es oft eine Menge Beratungs- und Rücksprachebedarf, bevor solche Anlagen in Betrieb gehen.“

Solche Freiflächen-Solaranlagen bringen oft 750 kW bis zu mehreren Megawatt Leistung, Windparks sogar noch deutlich mehr. Aber Projekte dieser Art sind eher die Ausnahme. Wenn also die vielen tausend Kleinanlagen auf Privaten Hausdächern künftig weitgehend automatisiert über digitale Prozesse bearbeitet werden können, gewinnen alle: „Die Installateure profitieren von einer komfortablen Antragstellung, unsere Kunden sind zufrieden, weil alles reibungslos läuft, und wir bei der Syna arbeiten deutlich kosteneffizienter“, fasst Thomas Scheffler die Vorteile zusammen.

Gut möglich also, dass auch in Mundelsheim künftig noch schneller noch mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern installiert werden. „Es sind ja noch immer eine Menge Flächen ungenutzt“, sagt Hartmut Gruber und lässt seinen Blick durch die Wohnsiedlung schweifen. „Da werden sich in den nächsten Jahren noch viele Hausbesitzer entscheiden, unter die Ökostromerzeuger zu gehen.“

Fotos: SeitenPlan/Sascha Kreklau, Video: SeitenPlan/Sascha Kreklau